Estrich News

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Anordnung von Dampfbremsen unter schwimmenden
oder gleitenden Estrichen gemäß ÖNORM B3732:2016-12

Die Anordnung von Dampfbremsen unter schwimmenden oder gleitenden Estrichen sind ein sensibler Bereich.

Nachstehend die zentralen Inhalte:

Rechtliche Betrachtung
In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, dass zwischen Rohdecke und schwimmenden oder gleitenden Estrichen eine Dampfbremse angeordnet werden muss. 

Auszug Pkt. 6.3.3 Feuchtigkeit:
Zur Vermeidung von schädlicher Dampfdiffusion aus dem Untergrund sind Folien mit einer diffusionsäquivalenten Luftschichtdicke einzubauen, die größer als diejenige des darüber liegenden Fußbodenaufbaus sind. Derartige Folien müssen verschweißt bzw. verklebt sein (bei Gussasphalt nicht erforderlich). Dampfbremsen müssen einen definierten und geprüften Dampfdiffusionswiderstand aufweisen.

Insbesondere sind in dampfdiffusionstechnischer Hinsicht Vorkehrungen zu treffen:

  • bei erdberührten Flächen
  • ungenügend ausgetrockneten Geschoßdecken und Untergründen (in der Regel bei Neubauten) 
  • über Räumen mit klimatisch unterschiedlichen Bedingungen, z.B. Einfahrten, Zugänge, Feuchträume, Heizräume, Decken über Garagen bzw. bei Wärmequellen unterhalb der Rohdecke 
  • bei dampfdichten, elastischen Bodenbelägen, Beschichtungen und dergleichen 
  • bei Holzfußböden

Die Dampfbremse ist vom Auftraggeber zu planen.
Werden für die Erreichung spezieller Anforderungen besondere Eigenschaften des Untergrundes (z.B. hinsichtlich Betongüte, Zementgehalt, Feuchtigkeitsgehalt, Wirksamkeit der Dampfbremse, Schallschutz) benötigt, ist der Auftraggeber zeitgerecht darauf hinzuweisen.

Sind aufgrund der Raumwidmung in den zur Verfügung gestellten Plänen, im Zuge einer augenscheinlichen Überprüfung des Untergrundes der betreffenden sowie angrenzenden Räumlichkeiten durch den Auftragnehmer, offensichtliche Fehler hinsichtlich der Anordnung von Feuchtigkeitsabdichtungen und Dampfbremsen oder Wärmedämmungen einwandfrei erkennbar, hat der Auftragnehmer den Auftraggeber auf die Notwendigkeit entsprechender Maßnahmen hinzuweisen. Als solche Fehler gelten z.B. fehlende Feuchtigkeitsabdichtungen über nicht unterkellerten Räumen, fehlende ausreichend dampfdichte Folien über Räumen mit großer Dampfentwicklung und über Werks- und Waschküchen, fehlende Wärmedämmungen von im Fußboden verlegten Warmwasserleitungen.

Bauphysikalischer Hintergrund
Trennt ein Bauteil Luft mit unterschiedlichem Klima, z.B. einen Sanitärraum mit Duschen und einen Wohnraum, so setzt aufgrund des Dampfdruckunterschiedes eine Wasserdampfdiffusion ein, nämlich vom Raum mit höherem Dampfdruck zum Raum mit niedrigerem Dampfdruck. Die Menge hängt vom Dampfdruckunterschied ab. Hoher Wasserdampfdruck tritt bei höherer Temperatur und hoher relativer Luftfeuchtigkeit auf und umgekehrt.

An bestimmten Stellen im Fußboden (z.B. unter dem PVC-Belag) kann der Wasserdampf kondensieren und zu einer Feuchteanreicherung führen. Sehr feuchte Stoffe können Wasser auch kapillar weiterleiten. Dies kann in der Folge zu Schäden, z.B. Blasen unter einem PVC-Belag, Quellen von Parkett etc., führen.

Daher ist die Anordnung einer Dampfbremse notwendig. Diese verringert einerseits stark den Wasserdampfdurchgang, andererseits soll damit eine eventuelle Kondensation nicht im feuchteempfindlichen Fußbodenbereich (Dämmung-Estrich-Belag) sondern im feuchteunempfindlichen Deckenbereich (Betondecke, Niveauausgleich) zum liegen kommen.

Die Wirksamkeit einer Dampfbremse wird durch die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl µ ausgedrückt. Diese gibt an, wie vielmal höher der Widerstand des jeweiligen Materials gegen Wasserdampfdiffusion als der von Luft gleicher Schichtdicke ist. Es handelt sich also um eine Materialkenngröße unabhängig von der Dicke.

Eine Dampfbremse wird durch die Angabe der wasserdampfäquivalenten Luftschichtdicke sd, charakterisiert.

Multipliziert man µ mit der Dicke d so erhält man den sd-Wert: sd = µ x d

Beträgt zB der µ -Wert einer PE-Folie 500.000 und die Dicke 0,20 mm ergibt sich der sd-Wert zu sd = 100.000 x 0,0002 m = 100 m.

Im Allgemeinen gilt, dass der sd-Wert der Dampfbremse größer als jener des Belages sein soll. Der sd-Wert liegt zB. bei PVC zwischen 20 - 100 m, bei Linoleum zwischen 20 - 45 m, bei Kunstharzbeschichtungen zwischen 100 – 300 m, bei Teppichen zwischen 0,2 - 3 m.

Auszug Pkt. 7.4.2.1 bei Calciumsulfatestrichen
Bei offenkundiger Durchfeuchtung des Untergrunds ist im Einvernehmen mit dem Auftraggeber eine Dampfbremse zum Schutz des Estrichs anzubringen, die einen größeren Dampfdiffusionswiderstand aufweist als der vorgesehene Bodenbelag. Ein ungewollt vorübergehend durchnässter Calciumsulfatestrich darf bis zu seiner Wiedererhärtung weder abgedeckt noch mechanisch beansprucht werden.

Ausführung
Die Lage und Bemessung der Dampfbremse bzw. der Feuchtigkeitsabdichtung hat durch den Planer/Auftraggeber zu erfolgen, da nur er die vollständigen konstruktiven und bauphysikalischen Umstände kennt. Angeordnet wird eine Dampfbremse im Regelfall über der Rohdecke bzw. über dem Niveauausgleich, auf jeden Fall unter der Trittschalldämmung, da diese sonst feucht werden kann.

Für den Verleger der Dampfbremse ist es wesentlich, dass er ein Prüfzeugnis oder eine Bestätigung des Herstellers/Vertreibers der Folie mit dem sd-Wert der Folie erhält, da er nur damit abgesichert ist. Zu beachten ist dabei einerseits, dass sich dieses Prüfzeugnis tatsächlich auf die betreffende Folie bezieht, andererseits, dass herstellungsbedingt die Folien auch dünner sein können. Abweichungen von bis 25 % nach unten sind durchaus möglich. Wenn die Dicke geringer ist als geplant, ist auch der sd-Wert geringer und die Bedingung, dass der sd-Wert der Dampfbremse größer als jener des Belages sein soll, wird dann möglicherweise nicht mehr eingehalten.

Voraussetzung für ein ordnungsgemäßes Funktionieren der Dampfbremse ist weiters, dass die Folienränder dicht miteinander verklebt sind. Bewährt und zu empfehlen ist auch eine 2-lagige Verlegung von 0,2 mm dicken PE-Folien. Eine übliche Trennlage (0,1 mm dicke PE-Folie) unter dem Estrich gilt nicht als Dampfbremse.

Schadensfolge bei fehlenden oder zu geringen Dampfbremsschichten
Bei unzureichender oder falscher Anordnung der Dampfbremse können folgende Schäden auftreten:

Hinweis:
Als Dampfsperre werden üblicherweise Folien oder Schichten bezeichnet, deren Dampfdiffusionswiederstand ≥ 1500 m beträgt. Unter diesem Wert gelten alle Stoffe als dampfbremsend.

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