Estrich News

Hier können Sie die aktuelle Ausgabe der Estrich News als PDF betrachten und herunterladen.
> mehr lesen
zur Druckansicht

Verlegung großformatiger Fliesen aus der Sicht des Estrich-Herstellers

Seit geraumer Zeit ist der Trend zu großformatigen Fliesen oder Steinplatten nicht zu übersehen. Der Zeitpunkt der Entscheidung für Großformate wird allerdings unterschätzt.

Um Problemstellungen auf der Baustelle aus dem Weg zu gehen, beginnt die Planung der fliesenmäßigen Ausgestaltung schon vor dem Innenausbau. – Vor allem, vor der Herstellung des Estrichs.

Für die Fliesenleger bedeutet dies eine Herausforderung, die allerdings noch nicht von vielen Betrieben in der Planung und logistischen Abfolge ausreichend verankert ist. Schon in vielen vorgegebenen Angeboten, als auch in den eigenen Angeboten werden oft aus Kostengründen notwendige und eigens zu bezahlende Vorleistungen nicht aufgenommen. Im Besonderen sind Positionen zu berücksichtigen, die für eine fachgerechte Großformatverlegung notwendig sind.

Bei der Renovierung von Gebäuden ist es unumgänglich, den Untergrund auf dem bestehenden Estrich neu aufzubauen. Der Boden ist von Kleberesten zu entfernen, die Oberfläche ist meist noch zu schleifen. Der alte Fußbodenaufbau ist zu prüfen.

Bei Neubauten unterscheiden sich die Vorarbeiten für großformatige Fliesen kaum. Trotz der vorgegebenen Maßtoleranzen in der ÖNORM DIN 18202 sind auch die erhöhten Anforderungen der Tabelle 3, Zeile 3 bzw. 4 für diese Verlegung nicht ausreichend. Sie sind vor allem nicht für das Dünnbettverfahren geeignet, da die Toleranz für den Estrich auf 1m 4mm und bei der erhöhten Anforderung auf 1m 3mm beträgt. Fliesen mit 60cm Länge können sich über diese Toleranz nicht biegen.

Geringere Fugen erfordern die Verlegung einer Dampfbremsfolie
Produkte für Ausgleichschichten müssen auf die Estrichoberfläche und den notwendigen Dünnbettkleber abgestimmt werden. Die notwendigen Haftzugswerte sind zeitgerecht bekannt zu geben. Die Wahl der Grundierung ist von der vorgegebenen Estrichgüte abhängig. Ausgenommen von der Ebenflächigkeit und die dafür notwendige Belagsstärke, ist in der Planung aufgrund der Größe der Fliesen die Verringerung des Fugenbildes zu berücksichtigen. Durch die geringeren Fugen wird der Fliesenbelag dampfdichter und erfordert, wie elastische bzw. Holzbeläge, die Verlegung einer Dampfbremsfolie im Unterbau. Bei Versäumnis kann es zu Abhebungen und Lockerung von Fliesenplatten kommen!

Großformatverfliesung schon bei Heizleistungsplanung wesentlich
Große Bedeutung kommt dem Estrich zu, wenn es sich um einen Heizestrich mit Fußbodenheizung handelt. Bereits in der Heizleistungsplanung durch den Heizungstechniker ist die Großformatverfliesung wesentlich. Durch die notwendige Fugenteilung des Estrichs müssen die Heizkreise und Fliesenformate angeglichen werden. Diese Koordination ist durch das verpflichtende Koordinationsgespräch gemäß neuer ÖNORM B3732 (ehem. B 2242-1 Pkt.5.2) vorgegeben. Eine nachträgliche Änderung des Estrichfugenbildes ist ohne Entkopplungsmatte kaum möglich, das wiederum unnötige Kosten verursacht.

Ebenso kann bei richtiger bzw. entsprechender Planung ein calciumsulfat-gebundener Fließestrich gewählt werden. Der Vorteil liegt in der großflächigeren Estrichausführung gegenüber dem Zementestrich. Für die Ebenflächigkeit gelten jedoch die gleichen Toleranzen wie in der ÖNORM DIN 18202 angegeben. Aufgrund der flüssigen Einbringung des Estrichs kann die Ausgleichnivellierung in der Dicke geringer sein oder unter Umständen entfallen. Der Estrichleger kann dies jedoch nicht gewährleisten, da die Estrichherstellung vom gleichmäßigen Wasserdruck abhängig ist und die daraus resultierende Ebenflächigkeit. Wesentlich ist bei der Wahl eines CSFE-Fließestrichs die Terminplanung, da dieser weder beschleunigt, noch ober­flächensperrend ausgeführt werden kann.

SCHADENSBILD: Aufweichen der Oberfläche durch anstehende Restfeuchte und horizontaler Abriss in einer Tiefe von 3-4mm. Der Fliesenbelag liegt hohl und kann gelöst abgenommen werden.

Um die Herausforderung der großformatigen Fliesen in Abhängigkeit zum Estrich abzurunden, sind die barrierefreien Duschen zu erwähnen. Grundsätzlich ist hier anzumerken, dass der Duschbereich in Zementestrichausführung herzustellen ist.

Durch die Isolierungsanforderung von W4, wie bei Personalduschen, ist ein CSFE-Estrich unzulässig. Für die Gefälleausführung ist die Planung der Duschplatzgröße wesentlich, um den Gefälleknick an die Fliesenplattengröße annähernd anzupassen.

Ein selbsttragender Dickbettmörtel anstatt einer Ausgleichnivellierung ist bei höheren Verkehrslasten aus Sicht des Estrichherstellers abzuraten, da ein Dickbettmörtel keine Definition für die notwendige Biegezug- und Druckfestigkeit hat.

Die Wahl von größeren Fliesenplatten erfordert von den Architekten ein umfangreiches Wissen für die Planung der gesamten Fußbodenaufbau-Konstruktion.

Nicht durch das Design, sondern durch die richtige technische Ausführung bleibt der Boden unter den Füßen standfest.



> Zurück zur Übersicht