Estrich News

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Das Kuckucksei im Estrich – die Fußbodenheizung

Der VÖEH bemüht sich, durch die Mitarbeit im Normeninstitut „Austrian Standards“, Normen insofern zu ändern, dass die Handhabung gewerksspezifisch orientiert wird.

Es werden immer wieder Stimmen laut, dass es in Österreich so viele Gesetze, Verordnungen und Normen gibt, die spezifisch im Baugewerbe zusätzliche Kosten verursachen. Nachstehend ein Beispiel, wie Normen zusammengefasst bzw. es die Möglichkeit von Vereinheitlichung geben kann und weiters sich die Chance ergibt, Vertrag von Ausführung zu trennen, um technische Fortschritte einfacher kurzfristig einfließen zulassen. Der VÖEH sieht sich insofern als wichtige Institution, um an diesen Änderungen mitzuarbeiten und dadurch die Estrichherstellung am Puls der Zeit bleibt.

Der ökologische Fortschritt greift auch im Mehrfamilienwohnhaus um sich. Durch die Niedrigenergieausstattung der Wohnungen ist die Beheizung der Wohnungen mit einer flächendeckenden Fußbodenheizung unbedingt notwendig geworden. Durch den Entfall von Heizradiatoren lassen sich die Wohnräume individueller einrichten. Die feine Heizjustierung im Betrieb sorgt für eine wunderbare Wohnbehaglichkeit.

Hervorragende Eigenschaften haben auch eine Kehrseite. Schon bei der Herstellung treffen wir für die Realisierung auf zwei Gewerke in einem Produkt. Die Fußbodenheizung aus der Heizungsinstallation, als eigenes konzessioniertes Gewerbe wie ein Kuckucksei in einem anderen Gewerbe, nämlich im Bodenlegergewerbe im Bereich der Estrichherstellung. Für viele Insider nichts Neues, da es diese Konstellation schon seit drei Jahrzehnten gibt. Die Ausführung lag aber bisher hauptsächlich im Einfamilienhausbau, sowie in Teilbereichen bei Großprojekten, wie Eingangshallen, Besprechungsräumen, Speisesälen, Gängen, etc.

Zusammenfassung von Normen
Nach jahrelangem Beobachtungszeitraum hat sich der VÖEH (Verband der österreichischen Estrichhersteller) in Zusammenarbeit mit den Innungen der Bodenleger und Baunebengewerbe bemüht, durch die Mitarbeit im Normeninstitut „Austrian Standards“, Normen insofern zu ändern, dass die Handhabung gewerksspezifisch orientiert wird. In den überarbeiteten Normen ÖNORM B2232 und B3732 vom 15.12.2016 wurde die ÖNORM B2242-1 bis 4 eingearbeitet. Somit wurden Normen zusammengefasst und jenem Gewerk zugeordnet, in dessen fremd eingegriffen wird. Somit muss sich die Haustechnik mit der Estrichnorm auseinandersetzen, um von der Planung (notwendige Fugenteilung), Situierung der Verteiler (dass es zu keiner Konzentration der Heizleiter im Abstellraum kommt), Verlegung der Heizleiter (Festlegung des Verlegesystems), bis hin zum richtigen Ausheizvorgang eine normgemäße Ausführung herzustellen. Bei Einhaltung des normgemäß geforderten Koordinationsgespräches mit dem Heizungsinstallateur und dem Estrichhersteller kann die zukünftige begehbare, auch belastbare heizende Lastverteilungsplatte schadlos gelingen.

Jedes Bauvorhaben eine neue Herausforderung
Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Aus der Sicht des Estrichherstellers zeigt sich jedes Bauvorhaben mit immer anderen Herausforderungen im Zusammenschluss der beiden Gewerke konfrontiert. Es gibt immer noch viele Installationsunternehmen, die die zu verlegende Trittschalldämmung als Montageplatte ansehen, nur weil diese seitens des Fußbodenmaterialherstellers als Systemplatte mitgeliefert wird. Erst beim Koordinationsgespräch kann auf die notwendigen Werte einer Trittschallplatte, als auch deren Verlegung mit den notwendigen 10mm Randstreifen hingewiesen werden.

Der Estrichhersteller muss bei der Verlegung der Trittschallplatte durch das Installationsunternehmen auf die Trennung der Gewährleistung des Trittschallschutzes hinweisen.

Sprich:
Die Störung der Nachbarn unter- und nebeneinander
liegt in der Verantwortung des Installateurs!
Für diese Leistung hat der Installateur keine Ausbildung!
Schallprüfungen hat der Installateur zu verantworten!


Aufgrund der späten Klärung der Gewährleistungsverantwortung und der dadurch späten endgültigen Festlegung der Materialien, kommt es häufig zu einem verschobenen Beginn der Estrichherstellung. Darum ist die Planung und Arbeitsvorbereitung des Installateurs die wichtigste Phase, bei der er schon den Estrichhersteller beiziehen sollte.

Durch die Unterordnung der ÖNORM B2242 in die ÖNORM B3732, ist es notwendig, die weiteren belagsspezifischen Teile der ÖNORM B2242 5-7 mit den Normen B2218, B2236 und B2215 zu überarbeiten.

Anpassung von Belagsnormen
Da die Estrichnorm B2232 Werkvertragsnorm und B3732 Ausführungsnorm schon 2013 geteilt erarbeitet wurde, hat sich der VÖEH auch im Bezug der Belagsnormen für eine Trennung in Werkvertragsnorm und Ausführungsnorm eingesetzt. Da auch bei den Belägen die Anforderungen durch die Fußbodenheizung geprüft werden müssen, werden diese derzeit in eigenen Gremien bearbeitet und danach den entsprechenden Arbeitsausschüssen bei den Austrian Standards vorgelegt.

Der VÖEH strebt bei der Erneuerung der einzelnen Werkvertragsnormen für die Belagsherstellung annähernd rechtliche Gleichstellung an. Aus der Sicht des VÖEH wäre eine umfangreichere einheitliche Werkvertragsnorm für den Fußbodenaufbau von der Rohdecke bis zum fertig verlegten Belag wirtschaftlicher. Die Handhabung aller an Planung und Bearbeitung verantwortlichen Personen wäre einfacher, die Sprache läge auf Augenhöhe und die Fehlerquellen würden sich reduzieren.

Das fremde Ei kann durch den normgemäßen Ausheizvorgang ausgebrütet werden.

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