Anordnung von Dampfbremsen unter schwimmenden oder gleitenden Estrichen

Anordnung von Dampfbremsen unter schwimmenden oder gleitenden Estrichen

Die Anordnung von Dampfbremsen unter schwimmenden oder gleitenden Estrichen sind ein sensibler Bereich. Im Auftrag des VÖEH (Verband der österreichischen Estrich-Hersteller) hat der, gerade für den Bereich Estrich sehr erfahrene Sachverständige KR Werner Paul eine umfassende Stellungnahme zu diesem Thema verfasst. Anlässlich der VÖEH-Tagung am 15. September präsentiert KR Paul seine Ausführungen und stand einer interessierten Estrich-Gemeinschaft Rede und Antwort.

Nachstehend die zentralen Inhalte:

Rechtliche Betrachtung

In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, dass zwischen Rohdecke und schwimmenden oder gleitenden Estrichen eine Dampfbremse angeordnet werden muss.

Diese Fälle können auftreten:

  • bei erdberührten Flächen
  • offenkundiger Durchfeuchtung der Unterkonstruktion
  • ungenügend ausgetrockneten Geschossdecken und Untergründen (in der Regel bei Neubauten, z.B. Ortbetondecken, Niveauausgleich)
  • über Einfahrten, Zugängen, Feuchträumen, Heizräumen, Decken über Garagen bzw. bei Wärmequellen unterhalb der Rohdecke (z.B. Warmwasserleitungen)
  • über Räumen mit großer Dampfentwicklung und Werks- und Waschküchen
  • bei dampfdichten, elastischen Belägen, Beschichtungen und dergleichen
  • bei Holzfußböden

Die Dampfbremse ist vom Auftraggeber zu planen.

In der nicht mehr gültigen ÖNORM B 7232 „Estricharbeiten - Verfahrensnorm”, Ausgabe 1.11.2001, sind diese Punkte unter Abschnitt 4.3.2.5 „Feuchtigkeit” bzw. 4.3 „Güteanforderungen an den Untergrund” angeführt.

In der derzeit gültigen ÖNORM B 2232 „Estricharbeiten - Werkvertragsnorm”, Ausgabe 1.7.2004, sind diese Punkte nicht enthalten. Es heißt jedoch unter Abschnitt 5 „Prüf- und Warnpflicht”:

5.3.2.3 Werden für die Erreichung spezieller Anforderungen besondere Eigenschaften des Untergrundes (z.B. hinsichtlich Betongüte, Zementgehalt, Feuchtigkeitsgehalt, Wirksamkeit der Dampfbremse, Schallschutz) benötigt, ist der Auftraggeber zeitgerecht darauf schriftlich hinzuweisen.

5.3.2.4 Sind aufgrund der Raumwidmung in den zur Verfügung gestellten Plänen im Zuge einer augenscheinlichen Überprüfung des Untergrundes der betreffenden sowie angrenzenden Räumlichkeiten durch den Auftragnehmer offensichtliche Fehler hinsichtlich der Anordnung von Feuchtigkeitsabdichtungen und Dampfbremsen oder Wärmedämmungen einwandfrei erkennbar, hat der Auftragnehmer den Auftraggeber schriftlich auf die Notwendigkeit entsprechender Maßnahmen hinzuweisen. Als solche Fehler gelten z.B. fehlende Feuchtigkeitsabdichtungen über nicht unterkellerten Räumen, fehlende ausreichend dampfdichte Folien über Räumen mit großer Dampfentwicklung und über Werks- und Waschküchen, fehlende Wärmedämmungen von im Fußboden verlegten Warmwasserleitungen.

Diese beiden Abschnitte sind auch in der nicht mehr gültigen ÖNORM B 2232 „Estricharbeiten”, Ausgabe 1.11.2001, enthalten. Es hat sich somit in der Werkvertragsnorm nichts geändert.

Für den Estrichleger ergibt sich jedoch nach Abschnitt 5.3.2.3 bzw. 5.3.2.4 der ÖNORM B 2232, dass der Auftraggeber zeitgerecht darauf schriftlich hinzuweisen ist .

Obwohl in der ÖNORM B 2232 nicht mehr alle Fälle dezidiert aufgezählt werden, sondern nur beispielsweise lt. 5.3.2.4 (Als solche Fehler gelten z.B. fehlende...) sind die nicht genannten Punkte in der Hinweispflicht ebenfalls inkludiert. Es ist daher sinnvoll und notwendig, entsprechend der oben genannten Liste auf jeden Fall darauf hinzuweisen.


Bauphysikalischer Hintergrund

Trennt ein Bauteil Luft mit unterschiedlichem Klima, z.B. einen Sanitärraum mit Duschen und einen Wohnraum, so setzt aufgrund des Dampfdruckunterschiedes eine Wasserdampfdiffusion ein, nämlich vom Raum mit höherem Dampfdruck zum Raum mit niedrigerem Dampfdruck. Die Menge hängt vom Dampfdruckunterschied ab. Hoher Wasserdampfdruck tritt bei höherer Temperatur und hoher relativer Luftfeuchtigkeit auf und umgekehrt.

An bestimmten Stellen im Fußboden (z.B. unter dem PVC-Belag) kann der Wasserdampf kondensieren und zu einer Feuchte-anreicherung führen. Sehr feuchte Stoffe können Wasser auch kapillar weiterleiten. Dies kann in der Folge zu Schäden, z.B. Blasen unter einem PVC-Belag, Quellen von Parkett, etc. führen.

Daher ist die Anordnung einer Dampfbremse notwendig. Diese verringert einerseits stark den Wasserdampfdurchgang, andererseits soll damit eine eventuelle Kondensation nicht im feuchteempfindlichen Fußbodenbereich (Dämmung-Estrich-Belag) sondern im feuchteunempfindlichen Deckenbereich (Betondecke, Niveauausgleich) zum liegen kommen.

Die Wirksamkeit einer Dampfbremse wird durch die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl µ ausgedrückt. Diese gibt an, wie vielmal höher der Widerstand des jeweiligen Materials gegen Wasserdampfdiffusion als der von Luft gleicher Schichtdicke ist. Es handelt sich also um eine Materialkenngröße unabhängig von der Dicke.

Eine Dampfbremse wird durch die Angabe der wasser-dampfäquivalenten Luftschichtdicke sd, charakterisiert.

Multipliziert man µ mit der Dicke d so erhält man den sd-Wert: sd = µ x d

Beträgt zB der µ -Wert einer PE-Folie 500.000 und die Dicke 0,20 mm ergibt sich der sd-Wert zu sd = 100.000 x 0,0002 m = 100 m.

Im Allgemeinen gilt, wie auch in der nicht mehr gültigen ÖNORM B 7232 angeführt, dass der sd-Wert der Dampfbremse größer als jener des Belages sein soll. Der sd-Wert liegt zB. bei PVC zwischen 20 - 100 m, bei Linoleum zwischen 20 - 45 m, bei Kunstharzbeschichtungen zwischen 100 – 300 m, bei Teppichen zwischen 0,2 - 3 m, bei Parkett bis 6 m.

Ausführung

Die Lage und Bemessung der Dampfbremse bzw. der Feuchtigkeitsabdichtung hat durch den Planer/Auftraggeber zu erfolgen, da nur er die vollständigen konstruktiven und bauphysikalischen Umstände kennt. Angeordnet wird eine Dampfbremse im Regelfall über der Rohdecke bzw. über dem Niveauausgleich, auf jeden Fall unter der Trittschalldämmung, da diese sonst feucht werden kann.

Für den Verleger der Dampfbremse ist es wesentlich, dass er ein Prüfzeugnis oder eine Bestätigung des Herstellers/Vertreibers der Folie mit dem sd-Wert der Folie erhält, da er nur damit abgesichert ist. Zu beachten ist dabei einerseits, dass sich dieses Prüfzeugnis tatsächlich auf die betreffende Folie bezieht, andererseits, dass herstellungsbedingt die Folien auch dünner sein können. Abweichungen von bis 25 % nach unten sind durchaus möglich. Wenn die Dicke geringer ist als geplant, ist auch der sd-Wert geringer und die Bedingung, dass der sd-Wert der Dampfbremse größer als jener des Belages sein soll, wird dann möglicherweise nicht mehr eingehalten.

Voraussetzung für ein ordnungsgemäßes Funktionieren der Dampfbremse ist weiters, dass die Folienränder dicht mit- einander verklebt sind und die Folie seitlich hochgezogen ist. Bewährt und zu empfehlen ist auch eine 2-lagige Verlegung von 0,2 mm dicken PE-Folien. Eine übliche Trennlage (0,1 mm dicke PE-Folie) unter dem Estrich gilt nicht als Dampfbremse.

Anmerkung:

Der Begriff „Dampfsperre” wird nicht mehr verwendet, da dies bedeuten würde, dass die Folie dampfdicht sein muss, was nur durch Metallfolien erreicht werden kann.



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