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Plötzlich auftretende Risse im Terrazzoboden

Walter Riegler ist in seiner Funktion als gerichtlich beeideter Sachverständiger Vorstandsmitglied beim VÖEH und schreibt über Beispiele aus der Praxis.

In einem Zubau eines Krankenhauses wurden in einigen Allgemeinflächen Terrazzoböden auf einem Zementheizestrich verlegt. Zum Schutz der eingebrachten Fußbodenkonstruktion wurde diese mit einer Abdeckung versehen. Etwa 14 Tage nach Entfernen dieser aufgebrachten, mehrlagigen Schutzabdeckung traten vereinzelt Risse im Terrazzoboden auf, die sich auch in den Zementheizestrich fortsetzten. Zur Klärung der Ursache wurde ich von dem dort tätigen Estrichhersteller beauftragt. Zwei Sachverständigen-Kollegen wurden ebenfalls von unterschiedlichen Auftraggebern beauftragt, zur Ursachenforschung beizutragen..

Bereich mit RissbildungenBereich mit Rissbildungen


Riss im TerrazzobodenRiss im Terrazzoboden


Riss im Terrazzoboden und im EstrichRiss im Terrazzoboden und im Estrich

Zeitlicher Ablauf
Der vorhandene Zementheizestrich wurde im April 2022 ca. sechs Monate vor Aufbringen des Terrazzobodens verlegt. Die Verlegung des Terrazzobodens erfolgte im September 2022, wo nach ca. zwei Wochen eine Schutzabdeckung aufgebracht wurde, um Schäden durch den Baustellenverkehr zu vermeiden. In den Wintermonaten wurde mit der Warmwasser-Fußbodenheizung geheizt, um eine entsprechende Raumtemperatur an der Baustelle zu erlangen. In etwa ein halbes Jahr später wurde dann die Schutzabdeckung in Teilbereichen des verlegten Terrazzobodens entfernt. Wiederum ca. zwei Wochen später traten dann erste Risse im Terrazzoboden auf.

Eckdaten
Der gegenständliche Terrazzoboden mit ca. 30 mm Dicke wurde auf einem 10 cm dicken schwimmend verlegten Zementheizestrich mit der Qualität E300 im Verbund aufgebracht. Der Terrazzoboden ist gemäß Herstellerangaben als schwindarm (Schwing-klasse SW1 gemäß DIN 18560) einzustufen. Die vorhandenen Bewegungsfugen im Estrich wurden als Scheinfugen ausgebildet. Für die Sicherung eines Höhenversatzes wurden gleitfähige Querkraftdübeln verwendet. Der Terrazzoboden-Verleger übernimmt diese Bewegungsfugen aus dem Untergrund mit zwei unterschiedlichen Fugen-Profilsystemen. Das eine Fugenprofil besteht aus einem zweiseitigen Abschlusswinkel mit einer Fugeneinlage aus Neopren. Die zweite Variante besteht lediglich aus einem Aluminiumwinkel. Die gewählten Flächengrößen gemäß Planung überschreiten teilweise die Empfehlungen gemäß Normen und technischen Richtlinien.

Fugenprofil Variante 1 (mit Fugeneinlage)Fugenprofil Variante 1 (mit Fugeneinlage)


Fugenprofil Variante 2 (nur Winkel)Fugenprofil Variante 2 (nur Winkel)

Vermutliche Schadensursache
Aufgrund der vorhandenen Schutzabdeckung auf der Bodenkonstruktion in Verbindung mit der betriebenen Fußbodenheizung hat sich im oberen Bereich der Fußbodenkonstruktion Feuchtigkeit angesammelt. Nach Entfernen dieser Abdeckung entwich diese in einem relativ kurzen Zeitraum. Die Folge war eine kurzfristig aufgetretene erhöhte Schwindspannung.

Aufgrund der teilweise versetzten Aluminiumwinkel ohne eine Fugeneinlage, wurden die darunter befindlichen Estrichfelder und auch der darüber verlegte Terrazzoboden sozusagen miteinander verbunden. Die dann entstandenen großen Estrichfelder konnten die Spannung nur in Form der aufgetretenen Risse abbauen. Die Risse setzen sich auch im darunter befindlichen Estrich fort. Der Verbund zwischen dem Terrazzoboden und dem Estrich war einwandfrei. Die Rissbildungen entstanden fast ausschließlich in angrenzenden Bodenfeldern, welche nur durch einen Winkel im Terrazzoboden getrennt wurden.

Schadensbehebung
Die „verbundenen“ Fugen wurden durch einen nachträglich maschinellen Fugenschnitt geöffnet, sodass auch bei der Fugenvariante zwei eine (begrenzte) Bewegung möglich ist. Die entstandenen Risse wurden in einem speziellen Verfahren verschlossen und optisch ansprechend an das Flächenbild angepasst. Die Schnittfuge wurde mit einem dauerelastischen Material verschlossen.

Resümee
Durch die gewählte Fugenausbildung und die planerischen zum Teil zu groß gewählten Flächengrößen konnte die Spannung, welche durch die entfernte Abdeckung kurzfristig hoch war, nur mehr durch die entstandenen Risse abgebaut werden. Aufgrund der grundsätzlich guten Ausführung des Estrichs und des darauf verlegten Terrazzobodens war das Ausmaß der entstandenen Rissbildung überschaubar.

Bei starren Fußböden ist die Wahl der Flächengrößen bzw. der Fugenplanung von großer Bedeutung. Auch wenn aus planerischer Sicht jede Fuge eine zu viel ist, sollten technische Vorgaben bei der Fugenteilung unbedingt eingehalten werden. Eine geeignete Ausbildung dieser Fugen ist ebenfalls eine Voraussetzung für eine funktionierende Fußbodenkonstruktion.

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