Estrich News

Hier können Sie die aktuelle Ausgabe der Estrich News als PDF betrachten und herunterladen.
> mehr lesen
zur Druckansicht

Estrich: Richtig planen, Schäden vermeiden!

Interview mit den Architekten Dipl. Ing. Robert Grossmann und Ing. Walter Kitzler vom Wiener Architekturbüro atelier.23

Die Anforderungen an die Fußbodenkonstruktion werden immer höher. Der Planung des Estrichs kommt somit verstärkt Bedeutung zu. Ing. Robert Tucheslau vom Verband der Österreichischen Estrichhersteller (VÖEH) stellt im Gespräch mit den Architekten Dipl. Ing. Robert Grossmann und Ing. Walter Kitzler vom Wiener Architekturbüro atelier.23 die Planung in den Brennpunkt.

Robert Tucheslau: Der Fußboden – das sind gerade 2 Striche auf dem Plan. An welcher Stelle steht der Fußbodenaufbau in Ihrer Planungskette?

Robert Grossmann: Nicht zu Beginn, wenn wir ehrlich sind. Erstmalig taucht er auf, wenn man sich die Aufbauten und Raumhöhen überlegt. Aber ich erlebe es immer wieder: Wir unterschätzen oft den Unterbau gewaltig. Es kommt der Installateur, der Elektriker, es legt sich einer über den anderen und da wird plötzlich der Platz sehr gering. Das sollte man relativ frühzeitig in der Planung berücksichtigen.

Tucheslau: Wird die Herausforderung für die Dimension des Aufbaues allein durch den Bauherrn gestellt?

Grossmann: Der Bauherr hat bei uns noch nie eine Vorgabe über eine gewisse Aufbauhöhe gemacht. Das entsteht in erster Linie bei uns als Architekten und in weiterer Folge bei den Konsulenten, die wir haben, wie Haustechniker, Planer, Statiker, etc. Wir haben zuletzt schlechte Erfahrung mit einer monolithischen Platte gemacht. Durch die monolithische Platte waren wir gefangen im Problem der Aufbauhöhen und das hat einen Rattenschwanz an Problemen nach sich gezogen. Das frühzeitige Erkennen von statischen Belastungen ist sicher ein Thema, das man gleich zu Beginn auf eine Checkliste schreiben müsste.

Tucheslau: Durch die massive Rohbauherstellung aus Beton, werden immer mehr Leitungen in Fußbodenkonstruktionen eingearbeitet. Ist man sich dieser Dimensionen bewusst?

Grossmann: Man ist sensibilisiert, dass man aufpassen muss. Wenn im Rohbau nicht entsprechende Aussparungen für die Haustechnik geplant werden, dann wird die Verlegung im Fußbodenaufbau sehr eng bzw. unmöglich.

Tucheslau: Der Wunsch nach Fußbodenheizung und groß dimensionierte Plattengrößen nehmen aufgrund ihrer Dicken schon oft die Hälfte der zur Verfügung stehenden Aufbauhöhe weg. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

Grossmann: Pragmatisch. Wir versuchen, den Fußbodenbelag so früh wie möglich in der Planung einzubeziehen. Die Ausführung einer Fußbodenheizung muss aufgrund der erforderlichen Estrichdicken von Anfang an feststehen!

Tucheslau: Es gibt derzeit einen enormen Gegenwind seitens Baugewerbe und Bauindustrie bezüglich Herstellung des Waagrisses. Wie ist Ihre Einstellung zur Herstellung des Waagrisses in Sicht der Gesamtherstellung des Bauwerkes?

Walter Kitzler: Der Waagriss muss als eigene Leistung im Leistungsverzeichnis ausgeschrieben werden. Es muss dafür eine Firma von Beginn bis zum Ende des Bauvorhabens verantwortlich sein. Und der Waagriss muss allen anderen Baubeteiligten zur Verfügung gestellt werden.

Tucheslau: Sollen die Schutzzeiten bzw. Trocknungszeiten im Bauterminplan eigens dargestellt werden?

Kitzler: Selbstverständlich.

Grossmann: Machen wir auch. Die Feuchtigkeit, die man sich hereinholt, braucht nun mal eine gewisse Trocknungszeit. Das wird leider immer schwerer zu vermitteln, weil alles immer schneller gehen muss.

Danke für das Gespräch.

> Zurück zur Übersicht