Estrich News

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Kalkulation von Vorbemerkungen im Baunebengewerbe

Um Vorbemerkungen kalkulieren zu können, müssen diese genau gelesen werden, um herauszufinden, was der Auftraggeber meint oder bezweckt.

Entsprechend seiner Professur hat jedes Leistungsverzeichnis seine Vorbemerkungen. Grundsätzlich zeigen die Vorbemerkungen die Beschreibung, der zur Erfüllung der Leistung notwendigen Informationen zur Lage und Ausführung des Bauobjektes. In den letzten 20 Jahren wurden die Vorbemerkungen zur Festlegung von zusätzlichen Rahmenbedingungen genützt. Durch diese globalen Beschreibungen ist es immer mehr zu verschiedenen Auslegungsinterpretationen gekommen und riefen die Juristen auf den Plan.

Heute sind die Vorbemerkungen schon insoweit ausgeklügelt, dass bereits statt Leistungspositionen, die als zu bezahlende Positionen auszuschreiben wären (gemäß ÖNORMEN), so beschrieben werden, dass oft die Art, die Dimension und auch die Ausführung nur annähernd angegeben ist, um dem Auftraggeber noch einen Spielraum während der Ausführung zu geben. Die Vorbemerkungen werden immer länger und komplizierter.

Bei öffentlichen Aufträgen dürfen in den Vorbemerkungen keine Änderungen oder Hinweise mit Begleitschreiben vorgenommen werden. Diese Angebote werden sofort ausgeschieden. Im Zusammenwirken mit den Baufirmen nützen Streichungen oder handschriftliche Hinweise nichts, da diese schon vorher als unzulässig festgelegt sind.

Daher müssen Vorbemerkungen kalkuliert werden.

Um Vorbemerkungen kalkulieren zu können, müssen diese genau gelesen werden, oftmals öfter, um herauszufinden, was der Auftraggeber überhaupt meint oder bezweckt. Ist der Wunsch erkannt und betrifft er in keinem Fall eine Nebenleistung, so ist dieser Bereich herauszufiltern. Meistens haben diese Wünsche keine Dimension und keine genaue Festlegung, sondern werden wie folgt oft beschrieben:

  1. „entgegen der ÖNORM ist dies so und so auszuführen“
  2. „bei nicht eindeutiger Beschreibung gilt die bessere“
  3. „alle 1.000 m² sind Erst-, Güte- und Bauteilprüfungen durchzuführen“
  4. „für die eigenen Arbeiten sind selbstständig Lagerflächen zu beantragen“
  5. „sämtliche Leistungen sind in der horizontalen Projektion abzurechnen“
  6. „die Schutzzeit ist vom Hersteller zu überwachen“
  7. „es gelten die halben Toleranzen“

Diese globalen Beschreibungen in den Vorbemerkungen gilt es nun selbst zu definieren und mit beizulegenden Kalkulationsblatt K-7 als Kalkulation zu belegen.

Nachstehend Beispiele zu den vorgenannten undefinierten Forderungen:

Zu Pkt. 1:
Im K-7 Blatt die Seite und den Absatz der Vorbemerkung anführen, die zugehörige Norm anführen. Wenn möglich auch eine Begründung festlegen. Damit ist dieser Punkt mit dieser Norm definiert, kalkuliert und eingerechnet.

Zu Pkt. 2:
Wenn die grundsätzliche Ausführung nicht eindeutig beschrieben ist, wie soll dann die bessere aussehen. Daher im K-7 Blatt eine Ausführung festlegen und diese kalkulieren.

Zu Pkt. 3:
Hier wurden die Prüfungen in einem Zug aufgelistet und nicht genau nach Bauteilen oder Geschossen definiert. Erstprüfungen gibt es nur einmal für das Bauvorhaben. Daher eigene Festlegung und zwar: Erstprüfung einmal, sämtliche weitere Prüfungen je 1.000 m² zusammenhängender Fläche. Diese muss erst gefunden werden. Daher öffnet diese Darstellung auf dem K-7 Blatt eine Festlegung nach Auftragserteilung.

Zu Pkt. 4:
Hier wurde der Kalkulation ein Mischplatz von 15x3 m bauseits beigestellt zu Grunde gelegt.

Zu Pkt. 5:
Diese Forderung kann einen erheblichen Verlust in der Abrechnung mit sich bringen. Daher Definition im K-7 Blatt – Abrechnung nach tatsächlicher Ausführung und Dimension.

Zu Pkt. 6:
Klare Festlegung in der ÖNORM, ist vom AG zu erbringen. Daher Beschreibung im K-7 Blatt – nur bis zur Begehbarkeit (somit nur 3 Tage)!

Zu Pkt. 7:
Halbe Toleranzen sind nur mit zusätzlichen Maßnahmen des Folgegewerkes zu erzielen. Es konnte nichts einkalkuliert werden, da das nachträgliche Produkt der folgenden Professur nicht angegeben war. Beschreibung auf dem K-7 Blatt.
An diesen Beispielen ist erkennbar, dass für die Kalkulation nicht immer eine Preisdarstellung notwendig ist. Auf eine Beschreibung kann wieder eine kalkulierte Beschreibung erfolgen.
In Zukunft muss den Definitionen in den Vorbemerkungen noch mehr Aufmerksamkeit geboten werden, da sich die Normenbindung gemäß dem neuen Bundesvergabegesetz geändert hat.
Normen sind nicht mehr heranzuziehen, sondern lediglich darauf bedacht zu nehmen!!
Insofern ist die Kalkulation von Vorbemerkungen nichts Neues, sondern eine Definition in Art und Dimension.

Daher gilt der Grundsatz:

Angeboten wird, was in Positionen ausgeschrieben ist!

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