Verbundkonstruktionen am Estrich
Verbundkonstruktionen beim Estrich sind vielfältiger und komplexer als man vermutet. Es beginnt beim herkömmlichen Verbundestrich und endet beim komplexen Industrieestrich im Verbund.
Die aus Sicht des Estrichverbands meist unterschätzte Komponente bei einer Verbundkonstruktion ist die Untergrundvorbereitung. Diese stellt eine wesentliche Voraussetzung für einen
funktionierenden Verbund dar. Sie erfolgt bei herkömmlichen Betondecken in der Regel durch Kugelstrahlen. Durch diesen Vorgang werden minderfeste Teile an der Betonoberfläche entfernt. Weiters
wird die Oberfläche durch die entstehende raue Fläche vergrößert und die Verbundwirkung wird dadurch erhöht. Oft wird diese Untergrundvorbereitung in der Praxis nicht gemacht und durch Kehren
der Rohdecke ersetzt.
Nicht minder wichtig ist die Wahl der aufzubringenden Haftbrücke zur Erstellung eines schadenfreien Gewerks. Schon die Wahl des Haftbrückensystems bei einer Verbundkonstruktion ist abhängig von
verschiedenen Faktoren wie z. B.
- Art und Alter des Betonuntergrunds
- Vorgegebene Systemkomponenten für den aufzubringenden Verbundestrich
- Abstimmung der Haftbrücke auf notwendige Verlegungen von dampfbremsenden- oder sperrenden Schichten unter der Verbundkonstruktion
- Abstimmung der Haftbrücke auf vorangegangene Oberflächenverbesserungen des Untergrunds.
Die sorgfältige Verlegung der entsprechenden Haftbrücke ist ein weiterer essenzieller Schritt zur Sicherstellung der Verbundwirkung zwischen Verbundestrich und Rohdecke. Das richtige Mischen
der Systemkomponenten ist genauso wesentlich wie das flächige Aufbringen auf den Untergrund. Entscheidend ist hierbei die zeitliche Abstimmung für das Aufbringen der Haftbrücke und das
anschließende Verlegen des Verbundestrichs. Hier wird oft der Fehler gemacht, dass eine zu große Fläche mit der Haftbrücke vorbereitet wird und zum Zeitpunkt der Verbundestrichverlegung sind
dann Teile des Haftbrückensystems abgetrocknet, sodass keine Verbundwirkung mehr zustande kommt. Ein erforderliches Vornässen des Untergrunds darf keine Pfützenbildung zum Zeitpunkt der
Verlegung hervorrufen.
Materialtechnisch kommen meist Haftbrückensysteme auf zementärer Basis bzw. auf Basis von Kunstharzen zur Anwendung. Technisch ist ein chemisch / mechanischer Verbund erforderlich. Der
mechanische Verbund kommt durch die Verkrallung des Estrichs auf dem „rauen“ Untergrund zu Stande. Der chemische Verbund wird bei zementären Haftbrücken durch die Hydratation des Zements und
der Bildung der C-S-H-Phasen (Calcium-Silikat-Hydrat), die als Hauptbindemittel dienen, erreicht. Diese verkleben die Partikel im Zementstein, und binden sich an den Zementstein des frischen
Estrichs, aber auch an den Zementstein des vorhandenen Betons, sofern dieser offenporig und sauber ist. Weiters kommt es noch zu einer mikroskopischen Verzahnung und Verkieselung mit dem
Altbeton.
Bei Kunstharzhaftbrücken erfolgt der chemische Verbund mit dem Estrich einerseits durch chemische Reaktion zwischen Harz und Zementleim und andererseits durch Adhäsion am Betonuntergrund. Diese
Prozesse zusammen ergeben eine dichte, feste und dauerhafte Verbindung zwischen Haftbrücke und Betonuntergrund – also die Grundlage für einen tragfähigen Verbundestrich.
Die Schäden, die zum überwiegenden Teil aus verarbeitungstechnischen Mängeln entstehen, haben meist unterschätzte Folgen. Sorgloser Umgang mit dem Mischvorgang und dem Aufbringen der
Haftbrücke, fehlendes Vornässen des Untergrundes, Mangelhafte oder fehlende Untergrundvorbereitung sind unter anderem Gründe für das Misslingen des Gewerks. Ausgedehnte Hohllagen und
Rissbildungen sind meist die Folgen. Eine Sanierung ist technisch meist sehr aufwendig und kostenintensiv. Oft werden große Mengen an Harz injiziert um einen nachträglichen Verbund
herzustellen. Dazu kommt in vielen Fällen auch der Zeitdruck zur Fertigstellung eines „mangelfreien“ Gewerks.
Die sorgfältige Vorgangsweise bei Ausführung und Planung von Verbundkonstruktionen unter Einbeziehung von geschulten Fachleuten können solche Folgeschäden größtenteils vermeiden.
Zuerst sorgfältig planen, dann bauen sollte hier die Devise sein.
Einbaubeispiel Verbundestrich
Beispiel einer Rissbildung in der Fläche
Durchgehender Riss bei einer Verbundkonstruktion
Bohrkernentnahme im Rissbereich