„Neue“ Messmethoden zur Ermittlung der Restfeuchtigkeit – Nutzen und Risiken
Die Ermittlung der Restfeuchtigkeit im Bereich von Nassestrichen erfolgt in unseren Breiten nach wie vor überwiegend mit der CM-Methode. „Neue“ Messmethoden, wie die Messung der
korrespondierenden Luftfeuchtigkeit (KRL) finden immer mehr Anwendung. Diese angeführte materialunabhängige Messung soll nach Angaben der Befürworter Risiken bei der CM-Messung bei den am Markt
vorhandenen unterschiedlichen Estrichmischungen eingrenzen. Die allgemeinen Erfahrungen mit dieser Messmethode sind allerdings sehr unterschiedlich.
Um das Pro und Kontra zu dieser Messmethode besser zu erfassen, wurden diverse Angaben aus den relevanten TKB-Merkblättern herangezogen. Sozusagen als Gegenpol wurden die Aussagen eines
Berichts von Frank Seifert aus dem Jahr 2023 gegenübergestellt.
Laut TKB wird mit der KRL-Methode direkt das Feuchtepotenzial und damit die vom Untergrund abgebbare Feuchtigkeit bestimmt. Bei der CM und Darr-Methode wird dagegen nur ein Teil des gesamten
Feuchtegehalts im Untergrund bestimmt. Die abgebbare Feuchtigkeit kann nur indirekt unter Kenntnis der Zusammensetzung des Estrichs bestimmt werden.
Aus der Sicht von Herrn Frank Seifert ist es anhand der KRL-Methode nicht möglich einen Feuchtzustand eines Estrichs zu bewerten, noch eine Aussage zur Belegereife an Estrichen der
unterschiedlichen Bindemittelarten wie zum Beispiel Zement, Kalciumsulfat und auch Spezialzementen abzuleiten. Untermauert wird diese Angabe mit Beispielen hinsichtlich des erforderlichen
thermodynamischen Gleichgewichts, das bei der KRL-Messung nicht berücksichtigt wird. Bei der KRL-Messung wird die Deliqueszenzfeuchte gemessen, die von der chemischen Zusammensetzung der
gesättigten Salzlösung in der Estrichprobe abhängig ist.
Gemäß TKB ist die KRL-Messung als Stand der Technik zu klassifizieren. Gemäß Frank Seifert entspricht diese Messmethode nicht dem Stand der Technik und ist auch nicht geeignet, verlässliche
Aussagen zum Feuchtehaushalt eines Estrichs zu liefern.
Nach Angaben der TKB ist der Temperatureinfluss bei ordnungsgemäßer Messung zu vernachlässigen. Als Beispiel werden 20 °C Ausgangstemperatur angeführt wo bei einem theoretischen
Temperaturbereich von 15-25 °C (üblicher Temperaturbereich für Verlegearbeiten) eine maximale Abweichung von ±2 % KrLF hervorgerufen werden kann. Dies entspricht in etwa der
Gerätegenauigkeit.
Seifert führt in seinem Bericht bei einen üblichen Temperaturbereich von 10-25 °C mit einem sich beispielhaft einstellenden KRL-Wert von 75% folgendes an:
Der ausgeprägte, aber nicht sofort erkennbare Temperatureinfluss auf das Messergebnis wird nicht berücksichtigt. Es stellen sich im angegebenen Temperaturbereich und bei 75% relativer
Luftfeuchte der jeweilige charakteristische absolute Feuchtegehalte in der Luft der Messzelle ein. Dieser kann Werte zwischen 7,1 g/m³ bei 10°C und 17,7 g/m³ bei 25°C annehmen. Der
Temperatureinfluss wird jetzt im Feuchtehaushalt der Luft deutlich und kann um 150% unterschiedlichere Messwerte annehmen.
Zusammenfassend wird die KRL-Methode von Seifert wie folgt bilanziert:
Die Ergebnisse der Literaturrecherche und eigene Forschungsergebnisse zeigen, dass die KRL-Methode einerseits ein zuverlässiges Verfahren darstellt, wenn als Ziel der Messung eine präzise
Aussage zur Deliqueszenz der gesättigten Porenlösung (Salzlösung) einer wasserhaltigen Materialprobe erwartet wird. Wird als Ziel der Messung eine Aussage zum Feuchtehaushalt der Probe
erwartet, dann wird das Messergebnis falsch interpretiert. Die chemische Zusammensetzung der Porenflüssigkeit übt den bestimmenden Einfluss auf das Messergebnis aus. Der Messwert der KRL ist
nicht geeignet, den Feuchtehaushalt einer wasserhaltigen mineralischen Probe jedweder chemischen Zusammensetzung zu beschreiben. Diese Aussage schließt zusätzlich zu den Zementestrichen mit
Normalzementen auch alle Estriche mit Kalziumsulfatbasierten Bindemitteln sowie Zementestriche mit ternärem Bindemittelsystemen ein.
Anhand dieser Aussagen ist erkennbar, wie unterschiedlich die Zugänge zu dieser Messmethode sind. Für den durchschnittlichen Anwender sind die zahlreichen Einflüsse auf das jeweilige
Messverfahren aufgrund fehlender Kenntnisse in chemischen und physikalischen Grundlagen schwer zuzuordnen.
Aus den bisherigen Publikationen und Erfahrungen ist die KRL-Messmethode zur Bestimmung der Belegereife im Hinblick auf den Feuchtezustand nach wie vor strittig. Ebenso können keine erheblichen
Vorteile bei der Messungsdurchführung erkannt werden.
Des Weiteren sind der überwiegenden Mehrzahl der (zumindest am österreichischen Markt) tätigen Fachleuten keine Schäden bei ordnungsgemäßer Durchführung einer CM-Messung in Bezug auf zu hoher
Restfeuchtigkeit bekannt.
Die KRL-Messung an sich scheint grundsätzlich zu funktionieren. Inwieweit die gemessene korrespondierende Luftfeuchtigkeit der entscheidende Wert für eine schadensfreie Bodenverlegung ist,
bleibt offen.
Quellen:
Bericht „Der Bausachverständige“ Dipl.-Ing. Frank Seifert - Baustoffingenieur und Stellv. Technischer Leiter
TKB Bericht 11 – Belegereife
TKB Merkblatt 18 – KRL-Methode Messung und Beurteilung der Feuchte von mineralischen Estrichen Fragen und Antworten der TKB zur KRL-Methode
CM-Messung
KRL-Messung
Messgutentnahme
Messgutzerkleinerung