Wasserschaden durch fehlerhafte Konstruktion und Abdichtung
Walter Riegler ist in seiner Funktion als gerichtlich beeideter Sachverständiger Vorstandsmitglied beim VÖEH und schreibt über Beispiele aus der Praxis.
In Österreich gibt es jährlich ca. hunderttausend Wasserschäden am Bau, die meist durch Rohrbrüche entstehen. Das konkrete Beispiel soll zeigen, wie umfangreich
Sanierungsmaßnahmen nach so einem Wasserschaden in einem ca. 8 m² großen Badezimmer sein können, wenn die durchgeführten Abdichtungsmaßnahmen fehlschlagen.
Ablösende Fliesen und Risse in den Fliesenfugen waren die ersten Anzeichen für den entstandenen Wasser-schaden in einem Badezimmer einer Wohnhausanlage. Der Mieter reklamierte diese
Gegebenheit, weil er beim Begehen des Bodens lockere Fliesen bemerkte.
Zur Ursachenforschung wurde zuerst ein Sachverständiger im Bereich Abdichtung mit der Begutachtung beauftragt. Aufgrund der Ergebnisse dieser Erstbefundung war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein
umfangreicherer Schaden im gegenständlichen Badezimmmer zu erwarten. Aus diesem Grund und aus Gründen der Schadenszuordnung, wurden durch den Investor weitere Sach-verständige aus beteiligten
Gewerken hinzugezogen.
Ortsaugenschein
Als erster Schritt wurde Wasser mit fluoreszierenden Zusätzen im Bereich der Badewanne und Dusche einen Tag vor der Befundung an den sanitären Einbauteilen aufgebracht, um ein mögliches
Eindringen von Wasser in andere Bauteile nachträglich feststellen zu können. Bei dem anberaumten Ortsaugenschein mit mehreren Fachleuten und Sachverständigen wurde der Badezimmerbereich im
Bereich der Sanitäreinbauteile (Badewanne, Dusche) Schritt für Schritt rückgebaut. Nach Entfernen der Badewanne kamen auf der aufgebrachten Abdichtung des Estrichs zahlreiche netzartige Risse
zum Vorschein. Nach teilweisem Entfernen dieser Abdichtung zeigten sich diese Risse deckungsgleich am darunter verlegten Calciumsulfatestrich.
Nach weiterem Rückbau der angrenzenden Duschtasse samt der darunter befindlichen Fußbodenunterkonstruktion konnte eingedrungenes Wasser in der Unterkonstruktion festgestellt werden. Die gesamte
Unterkonstruktion, vor allem aber die vorhandene Dämmung aus Steinwolle, waren spürbar und augenscheinlich nass.
Fehlende Abdichtung
Im Bereich des aufgebrachten Abdichtungshochzugs an der Stirnseite des in der Estrichkonstruktion vertieften Duschtassenbereichs konnte eine Beschädigung festgestellt werden. Das hier
eingedrungene Wasser konnte in diesem Bereich durch die fluoreszierende Flüssigkeit sowohl an der Abdichtungsinnenseite als auch am darunter befindlichen Estrich nachgewiesen werden. Der
Bereich wurde in kleinen Schritten weiter geöffnet. In diesem Zuge wurde immer deutlicher, dass abgesehen von der Beschädigung an der Abdichtung, der Anschlussbereich der Duschtasse an die
Badewanne, die mit einem Wannenträger montiert wurde, aufgrund einer fehlenden Einbindung eines Abdichtungs-flansches in diesem Bereich noch eine größere Problemzone darstellte. Die Ab-dichtung
unter dem Wannenträger wurde zwar an den Rändern hochgezogen, im Anschlussbereich an die Badewanne wurde jedoch weder der Dichtflansch der Duschtasse in die Flächenabdichtung eingebunden, noch
wurden die beiden Abdichtungen unterhalb der Trennwand zwischen Badewanne und Duschtasse miteinander verbunden. Es fehlte sozusagen die Abdichtung in diesem Bereich. Das eigentliche Eindringen
des Wassers, erfolgte hauptsächlich, neben kleineren Eintritten bei Leitungsdurchführungen, über eine gerissene elastische Fuge im Bereich der Dusche.
Rückbau
Aufgrund des umfangreichen Feuchteschadens erfolgte ein Rückbau der gesamten Verfliesung und des angrenzenden Trockenbaus sowie der Estrich-konstruktion unter der Badewanne im betroffenen Bad.
Des Weiteren wurden im gesamten Bereich Trocknungsmaßnahmen durchgeführt.
Berücksichtigt man alle Kosten, beginnend bei Rückbau weiter über Sachverständigenkosten, Zahlungen an den Mieter, Neuherstellung usw. liegt die Schadenssumme um die EUR 40.000,-- für ca. 8 m²
Bodenfläche.
Fazit
Die fehlerhafte Konstruktion und der zusätzliche Schaden an der Abdichtung ist für diesen enormen Feuchteschaden verantwortlich. Die erforderliche Sorgfalt bei der Planung sowie bei der
Ausführung von Abdichtungen, ist essenziell für die Funktionalität und Schadensfreiheit im Badezimmerbereich. Bei der gegenständlichen Wohnhausanlage gab es mehrere ähnlich gelagerte
Feuchteschäden, die im gesamten eine beträchtliche Schadenssumme ausweisen. Umso mehr sind Planer und Ausführende gefordert diese Schäden abzuwenden bzw. zu minimieren. Zahlreiche Detailfragen
sind bei einer funktionierenden Abdichtung abzuklären und durch eine sorgfältige Ausführung umzusetzen.
Die im Schadensfall herangezogenen Versicherungen werden die Deckung der Folgeschäden aufgrund deren Vielzahl und häufig verbundenen Sorglosigkeit bei der Ausführung, kritisch betrachten und
bewerten.
Ausgangssituation Dusch/Badewannenbereich
Fluoreszierende Flüssigkeit
Offene Fugen bei hohlliegenden Fliesen
Risse in der Verbundabdichtung unter der Badewanne
Feuchtigkeit unter dem Wannenträger