Fachtagung 2026
Bei der diesjährigen Generalversammlung des Verbandes österreichischer Estrichhersteller (VÖEH) am 15. Oktober 2026 im Bergresort Werfenweng stand Aktuelles und Zukunftsweisendes für
die Praxis im Vordergrund: Öko-Anforderungen, rechtliche Rahmenbedingungen, der technologische Wandel sowie ein personeller Wechsel an der Verbandsspitze waren Thema. Mit geballtem Fachwissen
stellte der Verband die Weichen für die Zukunft.
Nach der Begrüßung durch Obmann Karl Schmid referierte DI Frank Seifert, Technischer Leiter Nord der e-4 Bauchemie GmbH, zum Thema „Korrespondierende relative Luftfeuchte statt Restfeuchte –
Die Grenzen der KRL-Methode“. Kritisch erläuterte er die physikalischen Grenzen dieses zunehmend genutzten Messverfahrens zur Beurteilung der Belegreife und legte dar, welchen starken Einfluss
Temperatur und die chemische Zusammensetzung der Porenflüssigkeit haben. Seiferts praxisnahe Hinweise verdeutlichten, warum die klassische CM-Messung nach wie vor das bewährte und
aussagekräftige Verfahren zur Feuchtebestimmung bleibt.
Wie konkret der Markt sich verändert, zeigte Rene Leth (Baumit) beim zukunftsträchtigen Thema „Environmental Product Declaration (EPD)“. Er gab einen umfassenden Überblick über die Grundlagen
dieser Umweltproduktdeklarationen nach EN 15804 sowie über den CO₂-Fußabdruck von Bauprodukten. Durch die neue EU-Bauprodukteverordnung gewinnt die Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden
schrittweise massiv an Bedeutung. Für die Estrichbranche heißt das: Hersteller müssen sich frühzeitig auf die Bereitstellung entsprechender Umweltdaten vorbereiten, um den zukünftigen
gesetzlichen und marktseitigen Anforderungen gerecht zu werden.
Wechsel an der Verbandsspitze und rechtliche Sicherheit
Im Rahmen der Generalversammlung kam es zu einer personellen Neuausrichtung. Der bisherige praktische Referent Christopher Kosjak übernimmt künftig die Funktion des Obmanns. Karl Schmid kehrt
auf seine angestammte Funktion als Kassier zurück, während Markus Huber-Dolezal und Niko Bosnjak als Kassier- bzw. Schriftführer-Stellvertreter gewählt werden. Als Neuzugang verstärkt Milos
Djondovic den Vorstand als praktischer Referent.
Direkt nach den Wahlen gab Ombudsmann Walter Riegler einen detaillierten Überblick über die aktuellen Verbandsaktivitäten. Er betonte die Einigkeit gemeinsamen Handelns und hob die Rolle des
VÖEH als zentrale Plattform für Wissenstransfer und Qualitätsförderung hervor. Damit machte er deutlich, wie wichtig es ist, die österreichische Estrichbranche in Zeiten des Wandels
gemeinschaftlich weiterzuentwickeln.
Für die nötige Rechtssicherheit im Baualltag sorgte der Vortrag von Richter Mag. Manfred Pick, der die wichtigsten rechtlichen Stolpersteine bei der Mängelbehebung beleuchtete. Er legte die
Rechte und Pflichten bei Baumängeln nach ÖNORM B 2210 dar und differenzierte praxisnah zwischen Verträgen mit Privatkunden und B2B-Geschäften. Pick gestaltete sein Thema extrem anwendernah,
indem er konkrete Anliegen direkt aus dem Publikum aufgriff und klärte. Der Vortrag machte deutlich: Eindeutige Verträge, lückenlose Dokumentation und schnelle Reaktionen auf Mängelrügen sind
für Estrichunternehmen der beste Schutz vor kostspieligen rechtlichen Risiken.
Innovationen für die Baupraxis
Den fachlichen Schlusspunkt setzte Harald Sommer von Lias Österreich mit seinem Produktvortrag zu „Liapor-Ausgleichsschüttungen“, bei dem er die vielseitigen Anwendungsbereiche und das
Potenzial innovativer Schüttungen für die tägliche Praxis demonstrierte.
Die rundum gelungene Fachtagung 2026 klang nach offenen Diskussionen und intensivem Erfahrungsaustausch bei einem gemeinsamen Abendessen im aja Bergresort Werfenweng (Stroblhaus) aus. Die
Veranstaltung unterstrich einmal mehr das Engagement der österreichischen Estrichhersteller, praxisnahe Lösungen zu entwickeln, innovative Technologien zu nutzen und die rechtlichen
Rahmenbedingungen sicher zu gestalten. Der VÖEH festigt damit seine Rolle als treibende Kraft für die Branchenentwicklung.



